Jun Fan Kung Fu ist das Vermächtnis des 1973 verstorbenen Bruce Lee , welches sowohl seine Kampfprinzipien, das physische Training und Lee's Trainingsmethodik als auch die zum Jeet Kune Do gehörige Philosophie (Lee war Student der Philosophie) einschließt.. Er nannte seinen eigenen Kampfstil nach seinem chinesischen Vornamen Lee Jun Fan. Der Begriff Jun Fan Kung Fu kam noch vor dem Begriff JKD auf , es (das Jun Fan Kung Fu) wird heute als technische Grundlage für das JKD gesehen. Lee entwickelte das Jun Fan Kung Fu, als er merkte, dass das System, welches er bis zu diesem Zeitpunkt ausübte , das Wing Chun, das er von Großmeister Yip Man persönlich erlernte, in einigen Beziehungen Lücken aufwies. Es sollte aber als Basis für das Jun Fan Kung Fu dienen, dem er dann noch Prinzipien und Konzepte aus anderen Kampfkünsten hinzufügte. Mit erst 26 Jahren im Jahre 1967 hatte Bruce Lee seinen eigenen Stil fertiggestellt. Nach Bruce Lees jahrelangem Forschen hatte er nicht vor irgendwelche neue Bewegungen zu erfinden, sondern das am besten funktionierende anderer Stile zu verbinden, so dass die Techniken wie Wasser ineinander verfliesen können. Bruce Lee wollte nicht das Rad neu erfinden, aber er hatte durch die Prinzipien und Konzepte aus versch. Kampfkünsten und deren Techniken nach jahrelanger Forschung und hartem Training einen neuen und intelligenten Kampfstil entwickelt.
In der Anfangsphase Bestand Jun Fan Kung Fu wie schon erwähnt zu einem großen Teil noch aus Wing Chun Kung Fu, er trainierte aber auch noch westliches Boxen und Fechten . Mit der Zeit, nach weiterem studieren anderer Kampsysteme und viel Sparring, veränderte sich sein Stil aber immer mehr, so dass das heutige System nur noch aus ca. 25 % Wing Chun besteht.
1967 begann dann die Entwicklung von Jeet Kune Do, was im Gegensatz zum Jun Fan Kung Fu kein Kampstil ist, sondern ein Konzept und eine Philosophie der persönlichen Entwicklung.

Bruce Lee untersuchte und zerlegte ursprünglich 26 verschiedene Stile und entnahm diesen einzelne Teile (die wirksamsten Techniken) und fügte sie zu einem eigenen Lehrgebäude zusammen – das Jun Fan Kung Fu.
Westliches Boxen
May Thai (Thai Boxen)
Wing Chun
Jiu Jitsu
Westliches Ringen
Tai Chi Chuan (Wu Familien Stil)
Westliches Florett Fechten
Chin Na
Nördliches Tang Lang (N. Gottesanbeterin)
Südliches Tang Lang (S. Gottesanbeterin)
Choy Li Fut
Baqua Zhang
Hsing-I
Bak-Ho Pai + Bak-Fu Pai (Weißer Kranich + Weißer Tiger).
Adlerklaue
Bak-Mei-Pai (Weisse Augenbraue)
Nord Shaolin
Süd Shaolin
Affenstil
Betrunkenen Stil
Bok Pai
Law Horn Kuen
Phillipinisches Sikaran
Escrima
Ng Ga Kuen (Fünf Familien System)
Ny Ying Ga ( Fünf Tiere System)
In der Zeit von 1964 bis 1972 kamen aber noch Elemente anderer Stile dazu. Darunter Savate, Pentjak Silat, Panatukan und manch andere. Da Jun Fan Kung Fu auf Entwicklung ausgelegt ist und diese auch nicht nach Bruce Lee’s Tod endete, kamen bis heute noch viele Techniken anderer Stile dazu, u. a. das Brazilian Jiu Jitsu und Shoot-Wrestling.

Die Jun Fan Kampfkunst kann man in zwei Hauptgebiete aufteilen: Jun Fan Kickboxen und Jun Fan Trapping (darin zählt die Trapping/in-Fighting Range als Element des Ringens und des Bodenkampfes). Das Ziel dieser Kunst ist die Entwicklung deiner Nahkampf-Fähigkeiten.
Im unbewaffnetem Nahkampf gibt es vier Kampf-Distanzen:
Kicking Range (Trittdistanz)
Hand Range (Boxdistanz)
Trapping/In-Fighting Range (Ellbogen u. Kniedistanz)
Grappling and Ground-Fighting Range (Körperdistanz)
Dies führt zu einer vierfach Struktur der Entfernungen, die zur Vereinfachung der Trainingslehre in eine Dreifach Struktur unterteilt ist.
Ziel des Jun Fan ist es, jede dieser Distanzen zu trainieren, so dass man die Techniken effektiv und effizient einsetzen kann, ungeachtet von der Distanz.
1. 2. Jun Fan Kickboxen
Die Jun Fan Kickbox-Phase begann 1965. Die einfließenden Künste kamen aus vielen verschiedenen Strukturen und Ursprüngen. Westliches Boxen, Thai Boxen, französisches Savate, Filipino Sikaran nord- und südchinesisches Gung Fu, Wing Chun und andere wurden genutzt.
1970 fügte Sifu Dan Inosanto Filipino Boxing (Panantukan) dem Lehrprogramm hinzu. Dies geschah in erster Linie aus zwei Gründen. Erstens fügte es dem westlichen Boxen mehr Feinheiten hinzu, und zweitens, es fügte die Möglichkeit hinzu, realistisch und kämpferisch zu trainieren ohne ein allzu großes Verletzungsrisiko.
Derzeit werden viele Ausbildungs- und Trainingsmethoden angewandt, die das Kickbox-Lehrprogramm umfassen und dafür erschaffen wurden. In dieser Sportart werden ältere Methoden überarbeitet und angepasst, sollte dies nötig sein, während die grundlegenden Prinzipien die gleichen bleiben. Das Gesamtziel des Jun Fan Kickboxen ist es, Tritte und Schläge so zu koordinieren, dass sie sich vollkommen vermischen.
3.Jun Fan Trapping/In-Fighting
In diesem Bereich ist man nahe genug, um die Arme des Kontrahenten abzufangen oder bewegungsunfähig zu machen. Das Ziel dieses Bereichs ist es, jede Deckung, die der Gegener aufbauen könnte, zu durchbrechen, zu umgehen oder einfach nur zu treffen.
Die Trapping Range ist aggressiv und hauptsächlich offensiv. Der Hauptteil der Trapping Methoden des Jun Fan stammen aus dem Wing Chun Gung Fu. Dieser Bereich des Nahkampfes besitzt die höchste Effektivität und Effizienz, wenn es darum geht eine Kampfsituation zu beenden. Die In-Fighting Komponenten, wie Ellbogen, Knie, Kopfstöße und Körpermanipulationen sind alle in der Jun Fan Trapping Range integriert.
Die Trapping Range kann brutal einfach und rein kämpferisch sein oder höchst kultiviert, sie kann sich auf die Feinheiten konzentrieren oder sie lässt die Energie des Gegeners für sich arbeiten, um die In-Fighting Range zu überwinden und zu dominieren.
4.Grappling und Ground-Fighting
Ein weiterer integraler teil des Jun Fan ist die Grappling Range. Wie in jeder anderen Nahkampf-Distanz auch sind offensive, defensive und Kontertaktiken in der Grappling Range enthalten. Wie dem auch sei, es ist wichtig zu realisieren, dass einige Elemente des Grappling und des Ground-Fighting vollkommen gleich sind.
Die Grappling Range besitzt fünf Gebiete auf die sie sich konzentriert: 1) Locking ans Submission (Blockieren und Unterwerfen), 2) Choking an Strangulation (Würgen), 3) Pressure Point and Pain Compliance (Druckpunkt und Schmerz-Kontrolle), 4) Time Holds, 5) Ground Hitting Tactics (Bodentaktiken). Jedes Gebiet wird durch eine Vielfalt an fortschrittlichen Trainingsmethoden und Grappling-Lehrmethoden trainiert und entwickelt.
Die Prinzipien und Techniken stammen aus einer Vielzahl an Ringkampf-Systemen. Elemente aus westlichen Wrestling Systemen, wie z. B. Griechisch-Römisch, Freistil-Ringen, russisches Sambo und englisches Catch-As-Catsch-Can flossen genauso ein wie japanische Künste, z. B. Judo, Jiu-Jitsu oder Shoot-Wrestling.
Die Kombinationen aus all diesen Künsten ergibt das Gesamtbild der Jun Fan Matrial Arts. Es ist wichtig zu erkennen, dass in einer Kampfsituation alles geschehen kann. Deshalb ist es das Ziel der Jun Fan Matrial Arts, ein wirklich abgerundeter Kämpfer zu werden. Es ist nötig „in jede Situation hineinzupassen, instinktiv zu wissen, welches Werkzeug in der Situation, in der Du Dich befindest, arbeitet, und versuchen, die optimale Distanz für die derzeitige Situation, in der Du Dich befindest aufrecht zu erhalten“ (frei übersetzt nach Larry Hartsell, Schüler von Bruce Lee). So oder so, in der Kicking Range, der Hand Range, der Trapping Range oder der Grappling Range, der wirklich abgerundete Kämpfer funktioniert und dominiert, wo immer es hinführt.